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Warum auch ein totes Pferd ein gutes Pferd sein kann - Ethik, Teil I

10. März 2020
2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 26. März 2020



Viele Leser meines Blogs können sich noch gut an die letzte Weltwirtschaftskrise im Jahr 2007 erinnern. Wenn man die Ursachen dieser Finanz- und Wirtschaftskrise erläutern will, scheint dies auf den 1. Blick ein recht kompliziertes Unterfangen zu sein. Vielen (teils selbsternannten) Experten gelingt es immer wieder, in stundenlangen Vorträgen die Gründe und Auslöser dieser Krise wortreich zu erläutern – allerdings ohne dass es die Zuhörer verstehen. Nun, es geht auch ganz anders, z.B. so:


„Seppi möchte sich ein Pferd kaufen, um damit den Grundstein für den Aufbau seines Bauernhofes zu legen. So nimmt er € 1.000,- und kauft einem Bauern sein Pferd ab. Er zahlt die € 1.000,- sofort und in bar, und es wird vereinbart, dass der Bauer das Pferd am nächsten Tag liefert. Doch das Pferd kommt nicht. Seppi fragt nach, und der Bauer berichtet ihm, dass sein Pferd leider in der Nacht davor verstorben sei. Daraufhin will Seppi die € 1.000,- wieder zurückhaben. Diese hat der Bauer aber nicht mehr, weil er sie – wenn man seiner Aussage Glauben schenken will – bereits für Futter ausgegeben hat. Daraufhin fordert Seppi den Bauern auf, ihm das tote Pferd zu liefern. Der Bauer wundert sich und fragt nach was er denn mit dem toten Pferd wolle, da ein totes Pferd ja absolut wertlos sei. Darauf erklärt ihm Seppi, dass er das Pferd verlosen werde. Dass es tot sei, müsse man ja nicht gleich dazusagen.


Einige Monate später treffen sich Seppi und der Bauer zufällig wieder. Dem Bauern fällt sofort auf, dass Seppi teuer gekleidet ist und eine wertvolle Uhr trägt. Nun fragt der Bauer nach, wie es mit der Verlosung gelaufen ist. Seppi meint „Gut, ich habe über 2.000 Lose á € 2,00 verkauft!“. Daraufhin will der Bauer wissen, ob es denn vom Gewinner des Pferdes keine Beschwerde gegeben habe, denn immerhin sei das Pferd ja tot gewesen! „Doch, der Gewinner hat sich total aufgeregt!“, meinte Seppi. „Ich hab ihm dann seine € 2,- zurückgegeben, und alles war wieder o.k.!“


Ein gigantischer Handel mit wertlosen Papieren hat 2007 die Wirtschaft weltweit erschüttert. Einige wenige haben sich die Taschen vollgemacht, und viele andere sind als Betrogene zurückgeblieben. Diese Geschichte regt zum Nachdenken über das eigene Handeln an – jedoch auf eine sehr bildhafte Art und Weise mit einem überraschenden Ende. Was ethisches Handeln ist und welcher moralischen Grundsätze es dazu bedarf, das, liebe Leser, das muss jeder Mensch für sich selbst entscheiden. Nicht nur in der Wirtschaft.


 
 
 

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